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7 Thesen, 7 Wochen

4. Inhalte statt Institutionen fördern! Rechtlich wäre es möglich. 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

immer mehr und vor allem junge Menschen nutzen das Internet, um sich politisch zu informieren. Das stellt uns vor völlig neue Herausforderungen: Informationen, die über Algorithmen ausgespielt werden, schaffen Filterblasen. Der User sucht im Netz Informationen und erhält Ergebnisse, die ihn in seiner Meinung bestätigen. Algorithmen verstärken wiederum die Einseitigkeit, so dass eine individuelle Echokammer entsteht. Diese Eindimensionalität ist genau das Gegenteil von Meinungsvielfalt. Wir Medienhäuser müssen dieser Entwicklung Inhalte entgegensetzen, die die Werte unserer pluralistischen Gesellschaft stützen und gleichzeitig so modern und attraktiv sind, dass wir auch die jüngeren Zielgruppen gewinnen.

ProSiebenSat.1 Media SE
Conrad Albert, Vorstand External Affairs & Industry Relations und General Counsel, ProSiebenSat1 Media SE
» Wir übernehmen de facto bereits einen Teil des Grundversorgungsauftrags – wir erhalten dafür aber bislang keine öffentliche Finanzierung.«

Genau das ist unsere Kompetenz. Wir haben tagtäglich Formate im Programm, die besonders erfolgreich bei den jungen Zielgruppen sind, da wir deren Sprache sprechen und verstehen. Dabei inszenieren wir Themen ganz anders als der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Ein schönes Beispiel dafür ist „Ein Mann, eine Wahl“ – ein Format, in dem Klaas Heufer-Umlauf im aktuellen Wahlkampf den Spitzenpolitikern auf unkonventionelle Art und Weise auf den Zahn gefühlt hat. Durch solche Formate lassen sich tendenziell eher politikferne Zielgruppen für gesellschaftlich relevante Themen begeistern. Damit ergänzen wir die Informationsleistung der öffentlich-rechtlichen Sender wirkungsvoll.

» Indem wir relevante Inhalte fördern, schaffen wir ein verlässliches Gegenwicht zu einem der gefährlichsten Trends in unserer Medienlandschaft. «

Sogar Siegfried Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM), appelliert an uns, die privaten TV-Sender, unser Informationsangebot zu erhalten und auszubauen. und sagt: „Wenn junge Menschen klassisches TV einschalten, dann vor allem bei den Privaten. Deshalb haben die Privaten quasi eine Bringschuld, um die Grundversorgung für junge Leute mit Information zu gewährleisten“. Wir übernehmen de facto bereits einen Teil des Grundversorgungsauftrags – wir erhalten dafür aber bislang keine öffentliche Finanzierung.

Um unser Engagement für gesellschaftsrelevante Inhalte weiter ausbauen zu können, müssen wir dringend die Finanzierung diskutieren. Es ist höchste Zeit, dass der Gesetzgeber geeignete Fördermaßnahmen für den deutschen Markt entwickelt und umsetzt, um die Meinungsvielfalt in unserem Land auch im digitalen Zeitalter nicht zu gefährden, sondern sicherzustellen. Rechtlich ist das übrigens möglich.

Professor Mark Cole von der Universität Luxemburg unterstreicht in einer umfassenden Studie, dass die Rechtsprechung in Europa den privaten Rundfunkveranstaltern eine besondere Rolle zur Sicherung eines pluralistischen Medienangebots zuschreibt. Das Beihilferecht erlaubt die finanzielle Unterstützung privater Angebote. Prof. Cole zeigt zudem auf, dass die pan-europäische Rundfunkordnung in der Originalfassung von „Public Service Broadcasting“ spricht. Das bedeutet öffentlich-rechtlicher Rundfunk und nicht öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Damit liegt der Fokus ganz klar auf den Inhalten statt auf der Institution. Ein schlichter Übersetzungsfehler?

Mit der „Medienordnung 4.0“ wollen wir die Förderung von Inhalten statt von Institutionen erreichen. Dieser Vorschlag ist eine klare Antwort auf die aktuellen medienpolitischen Herausforderungen: Die Medienordnung 4.0 liefert einen probaten und zugleich realistischen Lösungsansatz, wie man das duale Rundfunksystem an die Gegebenheiten der digitalen Gesellschaft anpassen kann. Diese Adaption ist längst überfällig. Indem wir relevante Inhalte fördern, schaffen wir ein verlässliches Gegenwicht zu einem der gefährlichsten Trends in unserer Medienlandschaft – der Einengung des politischen Horizonts durch Filterblasen und Echokammern. Dieser Entwicklung müssen wir geschlossen entgegentreten und gemeinsam neue Maßstäbe setzen. 

Ihr Conrad Albert