Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, |
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das Jahr 2002 markiert den bisherigen Tiefpunkt in der fast 20-jährigen Geschichte des deutschen Privatfernsehens. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft dürften die Netto-Investitionen in Fernsehwerbung 2002 noch einmal um acht bis zehn Prozent gesunken sein. Nach dem starken Einbruch im Vorjahr hat sich die Werbekrise damit weiter verschärft. Experten gehen davon aus, dass der Fernsehwerbemarkt seit dem Rekordjahr 2000 insgesamt um 600 bis 700 Mio Euro geschrumpft ist. Der Markt bewegt sich heute unter dem Niveau des Jahres 1998 - und wird sich frühestens 2005 wieder der Rekordmarke des Jahres 2000 nähern. Um es klar zu sagen: Die Talsohle ist auch nach zwei Jahren Rezession im Werbemarkt noch nicht erreicht worden. Die Branche setzt jetzt darauf, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2003 wieder aufwärts geht. Ob das aber wirklich der Fall sein wird, kann im Augenblick niemand genau vorhersagen. Die Visibilität im Fernsehwerbemarkt ist nach wie vor äußerst gering. |
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Der schrumpfende Werbemarkt hat erwartungsgemäß auch die Geschäftsentwicklung der ProSiebenSat.1-Gruppe im Jahr 2002 negativ beeinflusst. Der Konzernumsatz betrug 1,895 Mrd Euro nach 2,015 Mrd Euro im Jahr 2001 - ein Minus von sechs Prozent. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 21 Mio Euro. Im Vorjahr waren es 106 Mio Euro. Wir haben mit massiven Kosteneinsparungen über alle Bereiche des Unternehmens hinweg auf die sinkenden Umsätze reagiert. Mit beachtlichem Erfolg: Trotz einer Reihe von außerordentlichen, einmaligen Belastungen, wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, die Kosten in Höhe von 54 Mio Euro verursachte, steht den Umsatzeinbußen von 120 Mio Euro ein Ergebnisrückgang von lediglich 85 Mio Euro gegenüber. Das EBITDA belief sich auf 134 Mio Euro nach 225 Mio Euro im Vorjahr. So ernüchternd die Bilanz für 2002 ausfällt, so dürfen wir doch feststellen, dass die Kostenbasis des gesamten Unternehmens deutlich reduziert werden konnte. Davon werden wir in Zukunft profitieren. |
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Mit dem Geschäftsverlauf des Jahres 2002 können wir dennoch nicht zufrieden sein. Neben einem schwierigen Werbemarkt hatten wir unterjährig mit Leistungsschwächen insbesondere bei ProSieben und Sat.1 zu kämpfen, die wir erst in den letzten vier Monaten des Jahres beseitigen konnten. Seitdem haben unsere beiden Sender ihre Marktposition wieder deutlich verstärkt. Im Gesamtjahr 2002 verringerte sich der gemeinsame Marktanteil der Sender Sat.1, ProSieben und Kabel 1 in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer dennoch von 30,1 Prozent auf 28,1 Prozent. Der Brutto-Werbemarktanteil allerdings blieb mit 45,4 Prozent nach 45,6 Prozent im Vorjahr auf hohem Niveau annähernd stabil. Damit ist die ProSiebenSat.1-Gruppe nach wie vor die klare Nummer eins im deutschen Fernsehwerbemarkt. Es ist uns gelungen, die Marktanteilseinbußen bei den Zuschauern durch eine gute Vermarktungsleistung fast vollständig zu kompensieren. Unser vorrangigstes Ziel ist es jedoch, das Marktgewicht der ProSiebenSat.1-Gruppe im Zuschauermarkt wieder nachhaltig zu steigern. Hier sind wir in der Zwischenzeit ein gutes Stück vorangekommen: Die Senderfamilie konnte ihren gemeinsamen Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern im Trend des Jahres 2003 [bis 15. März 2003] im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt um 0,7 Prozentpunkte auf 28,8 Prozent erhöhen. Besonders erfreulich hat sich der Nachrichtensender N24 entwickelt, der seinen Marktanteil in dieser Zielgruppe auf 0,4 Prozent vergrößern konnte - und damit nur noch 0,1 Prozentpunkte hinter dem Marktführer n-tv liegt. |
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Ohne Zweifel ist der Wettbewerb auf dem Fernsehmarkt in den letzten zwölf Monaten härter geworden, das Klima rauer. Angesichts sinkender Investitionen in Fernsehwerbung hat sich bei allen Sendern nicht nur die Schere zwischen den Brutto- und den Netto-Werbeerlösen vergrößert, sondern wir registrieren auch erstmals deflationäre Preise im Fernsehwerbemarkt. Auf der anderen Seite ist der Kostendruck auf die Sender erheblich gestiegen. Wir stehen auch 2003 vor der schwierigen Aufgabe, unsere Kostenstrukturen den Marktgegebenheiten weiter anzupassen und gleichzeitig unsere Marktposition auszubauen. Es ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ProSiebenSat.1-Gruppe zu verdanken, dass uns dies bislang ganz gut gelungen ist. Für ihre außergewöhnliche Leistungsbereitschaft und ihre große Kostendisziplin bedanke ich mich an dieser Stelle im Namen des Vorstands sehr herzlich. Dies gilt umso mehr, als wir im Zuge der Kostensenkungsmaßnahmen eine Reihe von schwierigen und unpopulären Entscheidungen zu treffen hatten, zu denen sicherlich auch der generelle Verzicht auf Gehaltserhöhungen für das Jahr 2003 gehörte. |
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Das straffe Kostenmanagement zahlt sich jedoch aus: Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir beispielsweise allein beim sonstigen betrieblichen Aufwand rund elf Mio Euro einsparen, wenn man einmalige Sondereffekte, wie Einzelwertberichtigungen oder Verluste durch den Abgang von Finanzanlagen, unberücksichtigt lässt. Auch der Geschäftsbericht für das Jahr 2002, der jetzt vor Ihnen liegt, trägt zu weiteren Einsparungen bei. Das ungewöhnliche, aber - wie wir hoffen - höchst innovative und ansprechende Format führt zu rund 25 Prozent geringeren Produktions- und Gestaltungskosten als im letzten Jahr. |
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Große Fortschritte können wir auch bei der Optimierung unserer Organisation vorweisen. So haben wir die Verkaufsstruktur des Werbezeitenvermarkters SevenOne Media dezentralisiert, um größtmögliche Kundennähe zu gewährleisten. Gleichzeitig werden Unternehmen und Agenturen jetzt aus einer Hand betreut. Das ermöglicht nicht nur eine effektivere Zusammenarbeit mit unseren Kunden, sondern auch eine stärkere Ausrichtung auf integrierte Kommunikationsangebote, die das gesamte Produktportfolio der ProSiebenSat.1-Gruppe abdecken. Nach der Übernahme sämtlicher Gesellschaftsanteile der Kirch Intermedia GmbH zum 1. September 2002 haben wir das Multimedia-Unternehmen unter dem neuen Firmennamen SevenOne Intermedia in die ProSiebenSat.1-Gruppe integriert und eng mit der Markenwelt unserer Sender verbunden. Außerdem planen wir die Zusammenlegung der beiden Merchandising-Unternehmen MM Merchandising München und SevenOne Club & Shop. Die neue Unit soll nicht nur zusätzliche Erlöspotenziale im Geschäftsfeld Merchandising erschließen, sondern auch die Kommunikation und Abstimmung mit Geschäftspartnern und Kunden weiter vereinfachen. Zur Optimierung der Prozesse im Technikbereich dient auch die neu geschaffene Position eines Direktors Operations, der die Zuständigkeiten für alle technischen Dienstleistungsunternehmen der ProSiebenSat.1-Gruppe bündelt. Hierzu zählen u.a. die SZM Studios, das IT-Unternehmen ProSieben Information Service und das Verbreitungstechnik-Unternehmen Teledirekt. |
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Für die ProSiebenSat.1-Gruppe stellt das Geschäftsjahr 2002 in jeder Hinsicht eine tiefe Zäsur in der Unternehmensgeschichte dar. Es wurde nicht nur durch den abermals starken Einbruch des Werbemarkts geprägt, sondern auch durch die Insolvenz des Mehrheitsaktionärs und wichtigsten Programmlieferanten der Senderfamilie, der KirchMedia GmbH & Co. KGaA Als börsennotiertes und eigenständig finanziertes Unternehmen waren und sind wir nicht Teil des Insolvenzverfahrens, aber natürlich hat uns die Zahlungsunfähigkeit der KirchMedia zusätzliche Aufgaben auferlegt, die neben dem operativen Tagesgeschäft zu erledigen waren. Dazu zählt u.a. die detaillierte Abklärung des entstandenen Risikos auf die Programmversorgung und die finanzielle Situation der ProSiebenSat.1-Gruppe, das wir - nach eingehender rechtlicher Prüfung - inzwischen als äußerst gering erachten. Außerdem waren wir nachhaltig in den Verkaufsprozess der KirchMedia-Anteile an der ProSiebenSat.1 Media AG involviert, indem wir potenziellen Investoren auf der Grundlage von Vertraulichkeitsvereinbarungen eine Due Diligence der ProSiebenSat.1-Gruppe ermöglicht haben, um im Interesse unseres Unternehmens möglichst rasch wieder stabile Gesellschafterverhältnisse zu erhalten. Umso mehr freuen wir uns, dass die Verhandlungen mit der Saban Group am 17. März 2002 erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Mit dem US-amerikanischen Medienunternehmer Haim Saban erhalten wir einen neuen Hauptaktionär, der über jahrzehntelange Beziehungen im internationalen Film- und Fernsehgeschäft verfügt. Davon wird unser Unternehmen schon bald nachhaltig profitieren. |
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Unabhängig von der Insolvenz der KirchMedia konnten wir im Jahr 2002 und Anfang 2003 zahlreiche Verträge abschließen, die für unsere Sender eine langfristige Programmversorgung mit den besten und hochwertigsten Hollywood-Filmen und -Serien gewährleisten werden. So hat sich die ProSiebenSat.1-Gruppe u.a. für die nächsten Jahre exklusiv die Produktionen der US-Studios Disney, Touchstone, Miramax und Dimension gesichert. Auch mit Lucasfilm, Paramount Pictures, Senator, Epsilon, Highlight, Constantin und Tobis wurden teilweise langfristige Vereinbarungen getroffen. Es handelt sich um zielgerichtete Investitionen in die Attraktivität unserer Programme, durch die wir unsere Position als der führende Spielfilm- und Serienanbieter im deutschen Fernsehmarkt weiter verstärken werden. Trotz des großen Kostendrucks dürfen und werden wir auch in Zukunft nicht an guten Programmen für unsere Sender sparen. |
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Schon jetzt steht fest, dass sich 2003 genauso schwierig wie das abgelaufene Geschäftsjahr gestalten wird. In den ersten Monaten 2003 hat sich der Fernsehwerbemarkt weiter rückläufig entwickelt. Es gibt nach wie vor keine Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung der Gesamtwirtschaft. Unklar ist auch, welche Folgen der Krieg im Irak auf die Wirtschaft und das Konsumklima in Deutschland haben wird. Insofern verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt jede genaue Prognose über die Entwicklung des Werbemarkts. Die Aussichten für das Gesamtjahr 2003 bleiben unsicher. Es ist unser klares Ziel, dass sich unsere Umsätze im Konzern besser als der Markt entwickeln werden. Aufgrund des konsequenten Kostenmanagements werden wir unsere Kostenstrukturen im laufenden Jahr nochmals deutlich verbessern können. |
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Trotz des abgekühlten Wirtschaftsklimas blicken wir zuversichtlich in die Zukunft: Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat ihre Profitabilität unter schwierigsten Bedingungen im Jahr 2002 erneut unter Beweis gestellt. Die eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung greifen und werden in den nächsten Monaten konsequent fortgesetzt. Auch die Komplementärpositionierung unserer Sender im Zuschauer- und Werbemarkt bewährt sich. Wir verfügen damit über die notwendigen Voraussetzungen, um unsere Performance im Geschäftsjahr 2003 und in den folgenden Jahren deutlich zu verbessern. Ich darf Ihnen versichern, dass das gesamte Management und alle Mitarbeiter der ProSiebenSat.1-Gruppe in den vor uns liegenden Monaten hart und mit Engagement und Kreativität für dieses Ziel arbeiten werden.
Mit freundlichen Grüßen

Urs Rohner
Vorsitzender des Vorstands
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