
 "Gutes Programm ist die Grundlage unseres Geschäfts" |
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Urs Rohner, Jahrgang 1959, studierte von 1978 bis 1983 Rechtswissenschaften in Zürich, erhielt 1986 das Anwaltspatent des Kantons Zürich. Der frühere Leistungssportler [Hürdenlauf] arbeitete zwischen 1983 und 1999 als Anwalt, insbesondere im Medien- und Entertainmentrecht, Kapitalmarkt- und Wettbewerbsrecht. Daneben Aufsichtsratsmitglied verschiedener Schweizer Unternehmen. 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender der ProSieben Media AG, nach der Fusion mit Sat.1 im selben Jahr zum Vorstandsvorsitzenden der ProSiebenSat.1 Media AG ernannt. Vorstandsbereiche: Vermarktung und Merchandising.
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Frage: Der Fernsehwerbemarkt leidet seit nunmehr zwei Jahren unter einer starken Rezession. Handelt es sich um eine anhaltende konjunkurelle Krise oder eher um ein strukturelles Problem?
Urs Rohner: Es handelt sich um ein konjunkturelles Problem. Im Gegensatz zu früheren Jahren kann sich der Fernsehwerbemarkt nicht mehr von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Im Gegenteil: Die anhaltende Konjunkturschwäche wirkt sich insbesondere auf den Werbemarkt schädlich aus. Der politische Reformstau in Deutschland verstärkt diesen negativen Trend noch. Während in anderen europäischen Ländern und den USA die Werbeinvestitionen allmählich wieder steigen, hat Deutschland die Talsohle noch nicht erreicht. Der Markt bewegt sich inzwischen unter dem Niveau von 1998. Private Fernsehunternehmen wie die ProSiebenSat.1-Gruppe können in dieser Situation nur schwer gegensteuern, weil sich das Fernsehgeschäft durch vergleichsweise hohe Fixkosten vor allem beim Programm- und Materialaufwand auszeichnet. Anders als in anderen Branchen fallen die Personalkosten beispielsweise nur mit rund elf Prozent des Gesamtaufwands ins Gewicht. Am Programm aber können wir nicht unbegrenzt sparen. Gutes Programm ist die Grundlage unseres Geschäfts. |
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Frage: Wie werden sich die Investitionen der werbetreibenden Wirtschaft in Fernsehwerbung 2003 entwickeln?
Urs Rohner: Das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös vorhersagen. Die Visibilität im Fernsehwerbemarkt ist und bleibt äußerst gering. Die Kunden buchen immer kurzfristiger, jeder Euro Umsatz ist hart umkämpft. Fest steht nur, dass das erste Quartal 2003 mit Sicherheit noch einmal schlechter ausfallen wird als die ersten drei Monate des Vorjahres. Die Branche setzt jetzt darauf, dass es im zweiten Quartal 2003 allmählich wieder aufwärts geht. Eine echte Erholung dürfte wohl frühestens in der zweiten Jahreshälfte einsetzen. Die Aussichten für das Gesamtjahr bleiben unsicher. Insbesondere die Folgen des Kriegs im Irak auf die deutsche Wirtschaft und das Konsumklima sind schwer abzuschätzen. Wir haben Stress-Szenarien vorbereitet, falls sich im Laufe des ersten Halbjahres zeigen sollte, dass sich der rückläufige Trend im Fernsehwerbemarkt auch in diesem Jahr fortsetzen wird. |
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Frage: Lassen sich weitere Umsatzverluste überhaupt noch durch Kosteneinsparungen kompensieren, wenn der Werbemarkt auch 2003 noch schrumpfen sollte?
Urs Rohner: Wir sind durch unser straffes Kostenmanagement in der Lage, weitere Umsatzeinbußen infolge der Marktschwäche zumindest teilweise zu kompensieren. Aber ich sage auch: Unser Spielraum ist enger geworden. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mit einer rigiden Kostenpolitik auf die Rezession im Werbemarkt reagiert. Wir können heute feststellen, dass wir das Steuer relativ früh herumgerissen haben, auch wenn die beschlossenen Kostensenkungsmaßnahmen angesichts der großen Vorlaufzeiten im Programm- und Fernsehgeschäft ihre volle Wirkung nicht immer sofort entfalten. Schon im Geschäftsjahr 2001 haben wir die Kosten im Vergleich zur ursprünglichen Mehrjahresplanung um rund 150 Mio Euro gesenkt. Um Sondereffekte bereinigt, konnten wir unsere gesamte Kostenbasis im Geschäftsjahr 2002 noch einmal um rund 54 Mio Euro reduzieren. Auch eine Reihe von strukturellen Maßnahmen, wie die Integration des Multimedia-Unternehmens SevenOne Intermedia, die geplante Zusammenlegung der beiden Merchandising-Firmen MM Merchandising München und SevenOne Club & Shop oder die Bündelung aller technischen Dienstleistungsunternehmen bei einem Direktor Operations, werden die Effizienz unserer Organisation erhöhen. Insofern wird sich der Aufwand der ProSiebenSat.1-Gruppe im Jahr 2003 noch einmal deutlich reduzieren. |
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Frage: Die ProSiebenSat.1-Gruppe erzielt immer noch über 95 Prozent ihrer Umsätze mit Fernsehwerbung. Planen Sie den strategischen Ausbau anderer Geschäftsfelder, um ihre Abhängigkeit von Werbegeldern zu reduzieren?
Urs Rohner: Unsere Strategie ist klar: Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft, das werbefinanzierte Fernsehen, und kerngeschäftsnahe Aktivitäten, wie Merchandising und Multimedia. Außerdem sind wir maßgeblich an der Euvía Media AG & Co. KG beteiligt, die mit den Sendern Neun Live und sonnenklar TV höchst erfolgreich zwei Transaktionsfernsehangebote in Deutschland eingeführt hat. Trotz der jetzigen Schwäche im Werbemarkt sehen wir kurzfristig keine Notwendigkeit, andere Schwerpunkte bei unseren Geschäftsaktivitäten zu setzen. Ergänzungen zu unserem Geschäft wird es allerdings schon geben. Dennoch ist das werbefinanzierte Fernsehen grundsätzlich ein hochattraktives und unverändert wachstumsträchtiges Geschäft, selbst wenn die Zeiten prozentual zweistelligen Wachstums vermutlich vorbei sein dürften. Wenn die derzeitige Werbekrise erst einmal überwunden ist, werden wir die Rentabilität der ProSiebenSat.1-Gruppe im Vergleich zu den früheren Ergebnissen aufGrund der heute erheblich geringeren Kostenbasis sogar deutlich steigern können. |
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Frage: Die Senderfamilie der ProSiebenSat.1-Gruppe hat im Jahr 2002 Marktanteile im Zuschauermarkt verloren. Welche Strategie verfolgen Sie, um das Marktgewicht ihrer Sender wieder zu erhöhen?
Urs Rohner: Die Senderleistung von Sat.1 und ProSieben ist im vergangenen Jahr tatsächlich streckenweise hinter unseren Erwartungen geblieben. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Bei ProSieben hat das Interesse der Zuschauer an der Nachmittagsprogrammierung und der Wiederholung von internationalen Serien am Hauptabend nachgelassen, bei Sat.1 ist die Programmierung am Vorabend und in der Prime Time am Wochenende unbefriedigend. Hinzu kommt bei Sat.1, dass die Highlight-Berichterstattung von der Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea eher mäßige Quoten brachte, weil viel mehr Zuschauer als erwartet am Vormittag die Live-Übertragung der Spiele bei ARD und ZDF verfolgten. Es hat sich auch gezeigt, dass es schwierig ist, verlorene Marktanteilspunkte kurzfristig wieder aufzuholen. Dennoch sind wir auf dem richtigen Weg: Seit Herbst hat sich die Performance beider Sender wieder deutlich gebessert. Im Jahr 2003 werden wir uns insbesondere auf die weitere Optimierung des Vorabends bei Sat.1 und des Nachmittags bei ProSieben konzentrieren. In der Prime Time zeigen sich beide Sender inzwischen schon sehr stabil. Außerdem wird sich Sat.1 noch stärker als bisher an die Kernzielgruppe der 25- bis 49-Jährigen wenden, während ProSieben insbesondere bei den 14- bis 29-Jährigen hohe Akzeptanzwerte erzielt. Durch die konsequente Komplementärpositionierung unserer beiden Flaggschiffe sichern wir unsere führende Position im Werbemarkt. |
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Frage: Welche Folgen hatte die Insolvenz der KirchMedia auf die ProSiebenSat.1-Gruppe und die Programmversorgung von Sat.1, ProSieben und Kabel 1?
Urs Rohner: Die zurückliegenden Monate seit dem Insolvenzantrag der KirchMedia im April 2002 waren auch für uns nicht leicht, obwohl die ProSiebenSat.1 Media AG als börsennotiertes und eigenständig finanziertes Unternehmen nicht Teil des Insolvenzverfahrens war. Wir konnten die Gesellschaft zwar relativ normal weiterführen, aber natürlich hatten wir uns neben dem Tagesgeschäft insbesondere mit den möglichen Risiken aus der Insolvenz für uns und dem Bieterverfahren für die Veräußerung der KirchMedia-Anteile an der ProSiebenSat.1 Media AG zu befassen. Im Vordergrund unserer Risikoüberprüfungen stand die Frage, ob wir die von KirchMedia erworbenen Programmrechte auch tatsächlich verwerten können. Davon können wir nach Ansicht unserer Anwälte ausgehen. Außerdem haben wir 2002 einige Drei-Parteien-Verträge direkt mit US-Filmstudios und KirchMedia für künftige Programmrechte abgeschlossen, so dass uns die betreffenden Rechte selbst im Falle einer künftigen Zahlungsunfähigkeit der KirchMedia unmittelbar zustehen würden. |
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Frage: Hat sich die lange Suche nach einem neuen Hauptaktionär nachteilig auf die ProSiebenSat.1-Gruppe ausgewirkt?
Urs Rohner: Uns war von Anfang an bewusst, dass die Suche nach einem neuen Mehrheitsgesellschafter angesichts der Gesamtumstände nicht von kurzer Dauer sein würde. Unser Interesse war es, so schnell wie möglich wieder ein stabiles Aktionariat zu erhalten Soweit es uns möglich war, haben wir deshalb den Verkaufsprozess unserer Aktien an potenzielle Investoren nachhaltig unterstützt. Auf Grundlage von Vertraulichkeitserklärungen haben wir den Kaufinteressenten u.a. die Möglichkeit gegeben, eine umfassende Due Diligence der ProSiebenSat.1-Gruppe durchzuführen. Außerdem standen wir den Investoren für Fragen zur Verfügung. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass die Saban Group am 17. März 2003 einen Vertrag über den Erwerb von 36 Prozent des Grundkapitals unterzeichnet und der monatelange Verkaufsprozess damit ein Ende gefunden hat. Der Vollzug des Vertrages soll innerhalb von zwei Monaten erfolgen. |
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Frage: Was versprechen Sie sich vom Einstieg des US-amerikanischen Medienunternehmers Haim Saban bei der ProSiebenSat.1 Media AG?
Urs Rohner: Für uns ist die Saban Group als Hauptaktionär ein Wunschpartner. Mit Haim Saban erhalten wir einen starken, überaus fernseherfahrenen Mehrheitsgesellschafter, der über exzellente Beziehungen im internationalen Film- und Fernsehgeschäft verfügt. |
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Frage: Mit Sat.1 und N24 schreiben derzeit zwei Ihrer vier Sender Verluste. Welche Prognosen geben Sie den beiden Unternehmen?
Urs Rohner: Der Sender Sat.1 weist das größte Ertragssteigerungspotenzial unserer Senderfamilie auf. In den letzten zwei Jahren haben wir seine Kostenbasis deutlich reduziert - und zwar um rund 73 Mio Euro. Diese Arbeit setzen wir auch im laufenden Geschäftsjahr kontinuierlich fort. Wenn sich der Fernsehwerbemarkt im Gesamtjahr 2003 nicht weiter verschlechtert, wird Sat.1 die operative Gewinnzone wieder erreichen und allein damit das Konzernergebnis voraussichtlich um rund 100 Mio Euro verbessern. Aber ich sage auch: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sicher sein, dass der Markt sich so entwickeln wird. Bei N24 liegen die Dinge etwas anders: Der Nachrichtensender ist erst drei Jahre auf Sendung und entwickelt sich in etwa wie geplant. Seit der Entscheidung, N24 zu gründen, hat sich der Fernsehwerbemarkt allerdings grundlegend gewandelt. Waren Finanzdienstleister, Telekommunikationsunternehmen oder Börsengänge, die bevorzugt in Nachrichten- und Wirtschaftsumfeldern beworben wurden, in den Jahren 1999 und 2000 noch die größten Wachstumstreiber im Fernsehwerbemarkt, so haben diese Bereiche heute stark an Bedeutung verloren. Nachgelassen hat auch das Interesse des Publikums an großflächigen Börsen- und Wirtschaftsinformationen. Darauf haben wir im Dezember 2002 programmlich durch die Einführung einer Dokumentationsschiene auf N24 reagiert. Mit Erfolg: Dies hat nicht nur zu einem starken Anstieg der Senderleistung in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer geführt, sondern bietet der werbetreibenden Wirtschaft auch - neben Nachrichten und Wirtschaft - ein weiteres attraktives und nachgesuchtes Umfeld. Wir gehen deshalb davon aus, dass N24 die operative Gewinnzone im Jahr 2005 erreichen wird. |
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