Ein Einzelkind in Hollywood

Rüdiger Böss nennt ihn „Indy IV“. Er weiß: Hinter dem schlichten Kürzel verbirgt sich „the hottest property in town“. Und Rüdiger Böss will Indy haben: „Ich bin Einzelkind. Ich will immer alles.“


Als George Lucas und Steven Spielberg am 2. Januar 2007 verkünden, dass sie eine der erfolgreichsten Filmreihen der Geschichte fortsetzen, geht ein Raunen durch die Film- und Fernsehwelt. 1,2 Milliarden Dollar an den Kinokassen, 14 Oscar Nominierungen, sieben Oscars, ein Held. Harrison Ford alias Indiana Jones ist zurück.

Für Chef-Filmeinkäufer Böss ist das der Moment, an dem sich 15 Jahre Hollywood-Erfahrung auszahlen. „Natürlich brauchen wir die großen Blockbuster. Den Potter, den Bond, Spider-Man, Indiana Jones. Aber andere wollen die auch. Manchmal hilft der persönliche Kontakt.“ Denn Hollywood ist immer noch ein Personality-Business. Zwar machen Bosse wie Sumner Redstone oder Rupert Murdoch heute keine Deals mehr

über einem Glas Scotch im Chateau Marmont. „Aber wenn ein Studio-Chef während der L.A. Screenings zu einem Basketball- Spiel der Lakers geht, dann gehe ich mit, obwohl ich vom Spiel keine Ahnung habe.“

Nur: Um Indy zu bekommen, braucht man mehr als gute Kontakte. Die haben andere auch. Man braucht eine Idee. Und die hatte Böss. „Wir konnten Paramount gleich für mehrere Länder ein Rundum-sorglos-Paket bieten.“ Vier Wochen vor dem Kinostart am 22. Mai strahlen ProSiebenSat.1- Sender in Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Ungarn die bisherige „Indiana Jones“-Trilogie aus. Zusätzlich gibt es eine europaweite Kinotrailer-Premiere. „Damit bieten wir eine Marketingplattform für den neuen Indy, die unsere Wettbewerber nicht liefern können“, sagt Böss und fügt hinzu: „Natürlich hat mich auch gereizt, dass alle immer sagen: Filmeinkauf auf europäischer Ebene funktioniert nicht. Es kann eben doch funktionieren, wenn man alles richtig macht und schnell ist.“ Weihnachten 2010 läuft der neue Indy dann auch auf den Sendern der Gruppe.

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24.07.2008