Eine europäische Senderfamilie wächst zusammen

Christian Wegner koordiniert als Integration-Manager den Zusammenschluss von ProSiebenSat.1 und SBS. Unterstützt wird er dabei von Chloe Ethelontis.


Vernetzung hat viele Perspektiven: Dr. Christian Wegner, Integration-Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung ProSiebenSat.1 Produktion.

Wie wachsen zwei verschiedene Konzerne zu einer Gruppe zusammen?

Christian Wegner: Man muss Menschen zusammenbringen, Kommunikation anstoßen, informieren, im Austausch bleiben und, ganz wichtig: gemeinsame Ziele haben.

Wie organisiert man Integration?

Chloe Ethelontis: Direkt nach dem Zusammenschluss von SBS und ProSiebenSat.1 sind die Geschäftsführer aller 13 Länder zu einem Treffen mit dem Vorstand nach München gekommen, um sich kennen zu lernen. Ebenso sollten sich unsere 6.000 Mitarbeiter ein
Bild von der Führungsmannschaft machen können. Deshalb gab es eine europaweite Videokonferenz, bei der der Vorstand und die Geschäftsführer Fragen der Mitarbeiter live beantworteten.

Wie ging es dann weiter?

Christian Wegner: Wir haben analysiert, in welchen Bereichen die Zusammenarbeit Synergien bringt, haben Ziele definiert und Arbeitsgruppen gebildet, in denen heute rund 200 Kollegen aus allen Ländern zusammenarbeiten. Bei der Zusammenstellung der Teams war uns wichtig, dass grundsätzlich Kollegen aus beiden ehemaligen Konzernen vertreten sind. Beide Seiten kooperieren als gleichwertige Partner, um das Unternehmen gemeinsam voranzubringen.

SBS war vor dem Zusammenschluss mit Pro-SiebenSat.1 dezentral organisiert. Wie ist das heute?

Christian Wegner: Der neu geschaffene Bereich „Group Content“ beispielsweise koordiniert TV-Inhalte für die ganze Gruppe. Bereiche, in denen es Sinn macht, haben wir zentral aufgestellt, ins Tages - geschäft der einzelnen Sender mischen wir uns aber nach wie vor nicht ein. Allerdings fordern wir kontinuierlich dazu auf, über die eigenen Märkte hinauszudenken. Läuft eine TV-Show, eine Kampagne oder ein Internetangebot besonders gut, überlegen die Kollegen heute mit, ob das auch in einem anderen Land funktionieren könnte.

Wie hat sich die Arbeit für das Integration-Office über die Monate verändert?

Chloe Ethelontis: Zu Beginn haben wir die ganzen Prozesse initiiert. Inzwischen kennen sich die Teams, arbeiten direkt zusammen, brauchen uns im operativen Tagesgeschäft weniger. Trotzdem sind wir als Ansprechpartner weiterhin präsent. Manchmal muss man schauen, dass das Thema im Alltag nicht untergeht. Denn die Kollegen in den Integrationsteams haben die neuen Aufgaben alle zusätzlich zu ihrem bisherigen Job übernommen. Für uns im Integration-Office geht es momentan aber


Bringt neben Fachkompetenz auch ausreichend Gespür für kulturelle Unterschiede mit: Projektmanagerin Chloe Ethelontis.

auch darum, zu evaluieren, inwieweit die gesetzten Ziele erreicht sind.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen für einen Job im Integration-Office?

Chloe Ethelontis: Ganz bestimmt Offenheit für andere Kulturen und Akzeptanz von Unterschieden. Ich bin in England groß geworden, da neigt man zu extremer Höflichkeit. Holländer oder Deutsche drücken sich viel klarer aus. Außerdem braucht man einen langen Atem. Denn eine länderübergreifende Unternehmenskultur entwickelt sich nicht über Nacht.

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23.07.2008