Stars im Blick

Die Größen der Musikbranche sprachen vor kurzem in Hamburgs Nobelhotel „Atlantic“ vor. Udo Lindenberg suchte ein Label für sein neues Album. Am Ende behauptete sich ein Newcomer gegen die schwergewichtige Konkurrenz. Das ProSiebenSat.1-Label Starwatch Music. Geschäftsführer Hans Fink hatte ein Argument, das Lindenberg überzeugte: Fernsehen.


Hans Fink, Geschäftsführer Starwatch Music

Es war die erste Staffel der ProSieben-Castingshow „POPSTARS“. Damals entstand, selbst ins Musikgeschäft einzusteigen und die Sender der Gruppe als Marketingmaschinen zu nutzen.
„‚POPSTARS‘ war erfolgreich, wir verdienten gutes Geld, aber nur solange das Format bei uns on air war“, sagt Hans Fink. „Danach profitierten vor allem externe Firmen von den Plattenverkäufen der Bands, die wir aufgebaut hatten.“ Das sollte sich ändern.
Fink machte sich auf die Suche nach einem Partner in der Plattenindustrie. Er holte Warner Music ins Boot. Das erste Music-TV-Label Deutschlands entstand. Schnell nutzte Fink das „POPSTARS“- Prinzip in beide Richtungen: Er vermarktete nicht nur Bands, die aus dem Fernsehen kamen, sondern baute selbst junge Künstler auf, indem er sie auf den Bildschirm brachte.

Heute gehört das Label zu den Besten. Das Bündnis zwischen Fernsehen und Musikmarkt zahlt sich aus. 2007 war die ProSiebenSat.1-Tochter das erfolgreichste unabhängige Label im deutschen Markt. Mehr Platten als Starwatch-Künstler Roger Cicero verkaufte nur Herbert Grönemeyer. Das überzeugte auch Rocklegende Udo Lindenberg.

Zu den Verhandlungen hatte Lindenberg ins Hamburger Hotel Atlantic eingeladen, wo er seit Jahren wohnt. „Es war ein eisenharter Pitch“, sagt Fink. Lindenberg hatte Angebote von allen großen Labels auf dem Tisch. Im März erscheint sein neues Album „Wenn Du durchhängst“ nun bei Starwatch Music. „Dass er am Ende bei uns unterschrieb, lag ganz klar am Paket.“ Das beinhaltet neben einem Plattendeal auch die Promotion auf den Sendern der ProSiebenSat.1 Group.


Starwatch-Künstler Roger Cicero

Mit diesem Konzept schaffte auch Roger Cicero den Durchbruch. Artist & Repertoire-Manager Markus Hartmann brachte ihn vor drei Jahren zu Starwatch Music. „Deutscher Swing hatte zu dieser Zeit eine sehr überschaubare Fangemeinde. Nur wenige kannten Cicero und er hätte damals auch in der Nische eingehen können“, sagt Hans Fink. Der Plattenchef rechnete mit 40.000 bis 50.000 verkauften Alben und schickte Cicero in die Sat.1- Show „Nur die Liebe zählt“. Das brachte den Stein ins Rollen. Bis heute ging

das Album "Männersachen" mehr als 400.000-mal über den Ladentisch und ist noch immer in den Top 100 vertreten. Die Platte hat inzwischen Doppel-Platinstatus. Fink ist sicher: „Wir knacken die halbe Million. Roger ist nicht nur Musiker, sondern auch Entertainer und damit der ideale Kandidat für die Vermarktung übers Fernsehen.“ Nach seinem grandiosen Debüterfolg im Jahr 2005 erschien vergangenen Oktober sein zweites Album „beziehungsweise“.

Das Erfolgsmodell aus Deutschland geht nun innerhalb der ProSiebenSat.1 Group in den Export. In zehn neuen Ländern wird der Deal zwischen TV und Musik ebenfalls eingefädelt. „Wir sind dabei, im Ausland weitere Kooperationen mit Plattenkonzernen aufzubauen“, sagt Hans Fink. Die ersten Erfolge gibt es schon. Starwatch-Band Marquess hatte vergangenen Sommer einen Top-Ten-Hit in Schweden. „Den Song bringen wir sicher in weiteren Ländern heraus.“ Für


Monrose, die Girlband aus „POPSTARS“, gibt es ebenfalls internationale Pläne: „Ich sehe in den dreien die neuen Sugababes.“ Auch hier denkt Fink in zwei Richtungen: „Wenn wir Talente im Ausland sichten, werden wir sie für den deutschen Markt unter Vertrag nehmen.“

Doch zunächst erscheint in Deutschland das neue Lindenberg-Album. Er hat Songs mit jungen Kollegen wie Jan Delay, Silbermond oder Ich & Ich aufgenommen. „Das ist Crossover zwischen seiner frühe ren Musik und modernem Pop.“ Lindenberg gehörte nie zu den Künstlern, bei denen Plattenchef Fink die OFF-Taste drückt. „Das passiert bei Schönbergs 12-Ton-Musik, Free Jazz oder schlimmem deutschen Schlager.“ Im Job schaltet er seinen per sönlichen Musikgeschmack ohnehin ab. „Ich kann von Mozart bis Rammstein alles hören. Nur wenn man sich nicht in der Tiefe verzettelt, kann man Künstlerprojekte objektiv beurteilen.“

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27.08.2008