Neun Monate PULS 24: von langen Raves und großen TV-Momenten

Corinna Milborn & Stefanie Groiss-Horowitz im Insights-Interview

Als vor gut einem Jahr das Ibiza-Skandalvideo um die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus an die Öffentlichkeit ging, war das nicht nur das Ende der bis dato amtierenden Regierung. Angestoßen von der brisanten News-Lage und dem politischen Wirbelsturm fiel im 3. Wiener Bezirk im Rahmen eines umfangreichen 360-Grad-Projekts der Startschuss für einen Newssender. Das Ziel: lokaler, näher am Geschehen und relevanter sein als alles, was es in Österreich zuvor gegeben hat. PULS 24 war geboren.

Nur zwei Monate nach Launch wurde die gleichnamige App bereits über eine halbe Million Mal heruntergeladen. Ein vielversprechender Beginn! Nach nur einem Dreivierteljahr beläuft sich die Anzahl auf mehr als 750.000 Installationen. Im Insights-Interview blicken Infochefin Corinna Milborn und Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz auf die ersten neun Monate zurück und verraten, was uns zukünftig erwartet.

News-Kompetenz im Doppelpack: Corinna Milborn (l.) und Stefanie Groiss-Horowitz leben für lokale Live-Inhalte. Mit dem Wiener Media Quarter Marx als Homebase, berichten die PULS 24-Teams täglich aus ganz Österreich.
PULS 24 ist jetzt seit neun Monaten on air – und das sehr erfolgreich! Was war der Anstoß für das 360-Grad-Projekt?

Corinna Milborn: Ein eigener Newskanal, linear und digital, war schon immer unser Wunsch. Uns war klar, wir kommen nur gegen die großen globalen Social-Media- und Streaming-Unternehmen an, wenn wir live, lokal und relevant sind. Diese drei Attribute sind der Grund für unsere Zuschauer, das TV-Gerät einzuschalten. Das Ibiza-Video und der Neuwahlbeschluss im Mai 2019 haben lediglich den Anstoß gegeben, mit PULS 24 früher zu starten als zunächst geplant.

Stefanie Groiss-Horowitz: Die reine Idee, diesen Sender, dieses riesige Projekt, zum Leben zu erwecken, entstand auf keinen Fall aus einer aktuellen Situation heraus. Als damals das Video zur Ibiza-Affäre aufgetaucht ist, war das Gefühl schon länger da, dass es großartig wäre, einen eigenen Newssender zu haben.

Inwieweit hat die Geschäftsführung euer Vorhaben befürwortet und unterstützt?

Corinna Milborn: Unterstützen ist eigentlich das falsche Wort. Unser CEO Markus Breitenecker unterstützt nicht, er zieht. Er macht mit, treibt das Projekt voran, motiviert jeden Einzelnen. Wir haben im Team damals, vor ziemlich genau einem Jahr, in nur drei Monaten einen kompletten Sender aufgebaut, zwei neue TV-Studios eingerichtet, 35 Mitarbeiter eingestellt und die gesamte Technik aufgesetzt. Egal, wen man fragen würde, niemand würde sagen, das sei machbar. Markus aber hat diese Überzeugungskraft. Er schafft es, dass alle an einem Strang ziehen und in die gleiche Richtung gehen.

Stefanie Groiss-Horowitz: Wir blicken auf ein wirklich besonderes erstes Jahr zurück. Mit PULS 24 ist uns der erfolgreichste Senderstart in der österreichischen Mediengeschichte gelungen. Rund 50 JournalistInnen arbeiten an unserem 24/7 News-Programm. Wir senden nicht nur aus zwei Studios, sondern bauen aktuell sogar an einem weiteren Newsroom-Studio und einer zusätzlichen neuen Regie.

»Derzeit beläuft sich unser Marktanteil auf 0,7 Prozent YTD bei den 12- bis 49-Jährigen. Das alles macht uns unglaublich stolz.«
Aufgrund der Ibiza-Affäre und der damit verbundenen vorgezogenen österreichischen Nationalratswahl seid ihr mit PULS 24 letzten Herbst früher gestartet als geplant. Wann war klar, dass ihr den Launch vorzieht und wie habt ihr diesen Moment miterlebt?

Stefanie Groiss-Horowitz: Das Video ist an einem Freitag im Mai 2019 um 18 Uhr erschienen. Eine Zeit, zu der die aktuelle TV-Sendung fertig ist und sich alle schon gedanklich im Wochenende befinden. In unseren WhatsApp-Gruppen und Channels ging es sofort rund. Alle, die in dem Moment nicht im Sender waren, haben sich direkt auf den Weg gemacht. „Jetzt wäre es schön, einen Newssender zu haben!“, stand in der ersten Nachricht von Corinna an mich – und ich konnte nichts anderes antworten als: „Ja! Jetzt lass‘ uns endlich einen machen!“

Corinna Milborn: Es war der Wahnsinn! Ich war gerade mit meiner Tochter auf dem Spielplatz und hatte versprochen, das Handy für eine Stunde beiseitezulegen. Als ich es wieder in die Hand genommen habe, tauchten im News Feed auch schon die ersten Ausschnitte des Ibiza-Videos auf. „Ich fahre in den Sender!“, waren meine ersten Worte. Das war eine richtig große Krise. In dem Moment, als das Video an die Öffentlichkeit ging, wussten wir: Das ist das Ende des Vizekanzlers und dieser Regierung. Mit der Entscheidung für Neuwahlen war allen sonnenklar, dass wir den Sender definitiv noch davor starten müssen.

Wie hat sich diese urplötzlich verkürzte Launch-Phase angefühlt?

Corinna Milborn: Der Zeitplan bis zum Launch war so eng getaktet, dass uns der gesamte Prozess wie eine lange, lange Live-Sendung vorkam. Eine Sendung, in der alles zusammenspielt und jede Sekunde zählt. Ich erinnere mich nur allzu gut an unseren Launch-Monat September. Es war ein irrer Monat. So ein bisschen wie ein langer Rave, als hätten wir nächtelang durchgetanzt. Wir lieben das ja – wir leben für Live-Fernsehen!

Infochefin Corinna Milborn und Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz
Ihr habt PULS 24 zuerst digital gedacht und anschließend ins Lineare verlängert. Wie sieht dieser Weg aus, den ihr gegangen seid?

Corinna Milborn: Wir haben uns vor einiger Zeit schon einmal an einer News-App versucht. Unser Vorhaben ist damals zwar gescheitert, die Erfahrung, die wir während des Prozesses sammeln konnten, war jedoch immens wichtig. Was wir daraus mitgenommen haben, ist, dass Künstliche Intelligenz ein wichtiger Aspekt in der App-Entwicklung ist. Gemeinsam mit einem KI-Unternehmen haben wir dann die PULS 24-App zum Leben erweckt, mit der wir im Mai 2019 als 24/7 Video- und Nachrichtenkanal auf unserer Streaming-Plattform ZAPPN gestartet sind. Basierend auf KI durchsucht sie die deutschsprachige Online-Medienwelt und fasst die relevantesten Nachrichten passgenau auf die Präferenzen der Nutzer zusammen. Trotz unserer Leidenschaft für das Digitale haben wir schnell gemerkt, dass erst TV die Kraft hinter den News entwickelt, ihnen Relevanz gibt und für Verlässlichkeit steht. Digital zu denken ist natürlich dennoch essentiell. Sehr viele Zuschauer sehen tagsüber gar nicht mehr linear fern, die Idee der TV-Sendung ist ihnen trotzdem wichtig.

Stefanie Groiss-Horowitz: Für uns war klar, wir müssen auf allen Plattformen und Kanälen vertreten sein. Viele Menschen konsumieren ihre Nachrichten nicht mehr nur über das klassische TV-Gerät. Umgekehrt stand eben auch fest, dass PULS 24 kein ausschließliches Digitalprojekt wird. Fernsehen ist nach wie vor die stärkste Gattung – als Fernsehmacher sind wir darauf natürlich besonders stolz.

Am 1. September 2019 seid ihr dann mit PULS 24 gestartet. Wie habt ihr den Sendestart wahrgenommen?

Stefanie Groiss-Horowitz: Als wir in unserem brandneuen Studio das erste Mal auf Sendung gegangen sind, war das ein ganz besonderer Gänsehautmoment. Ein echter Fernsehmacher-Moment! Unser Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat den symbolischen Startknopf gedrückt – und zur besten Sendezeit hat sich ÖVP-Chef Sebastian Kurz anschließend Corinnas Fragen gestellt. Zu sehen, wie unsere Idee zum Leben erweckt wird, war groß!

Wie zufrieden seid ihr mit der Resonanz und was ist euer Ziel für PULS 24?

Stefanie Groiss-Horowitz: Wir sind sehr zufrieden. Vor allem damit, dass wir es damals geschafft haben, in einer verkürzten Launch-Phase einen neuen Sender aufzubauen, ohne dass man uns die geringe Vorlaufzeit angesehen hätte. Am wichtigsten ist, das Gefühl zu haben, auf dem richtigen Weg zu sein. Und das hatten wir von Anfang an. Beim jüngeren Publikum U50 sind wir schon im Januar auf einen Marktanteil von 0,4 Prozent gekommen. Derzeit beläuft sich unser Marktanteil auf 0,7 Prozent YTD bei den 12- bis 49-Jährigen. Das alles macht uns unglaublich stolz. 

Corinna Milborn: PULS 24 ist eine ideale Ergänzung zu unserem bestehenden Sender-Portfolio. Mit unserem großartigen Team und den richtigen Ideen möchten wir nach wie vor Nachrichtenreferenz Nummer eins in Österreich sein, die sowohl seinen Zuschauern linear als auch seinen Usern digital gute, ausführliche und geprüfte lokale Informationen bietet und für souveräne Live-Berichterstattung steht.

Anfang des Jahres habt ihr euren ersten großen Programmausbau präsentiert. Was erwartet uns demnächst?

Stefanie Groiss-Horowitz: Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir rasch reagiert und unser News-Programm auf PULS 24 zum Großteil auf Sondersendungen umgestellt. Im Herbst beschäftigen wir uns dann schwerpunktmäßig mit den bevorstehenden Wahlen in Wien und Amerika. Wir werden unseren Wirtschaftsschwerpunkt mit neuen Shows ausbauen und arbeiten an einigen spannenden, sehr kontroversen Talkshows. Sportfans können sich auf den neuen PULS 24-Sonntag freuen, der ganz im Zeichen von Live-Sport stehen wird. Neben den beliebten Übertragungen der NFL wird PULS 24 ab September exklusiv die österreichische Eishockeyliga übertragen. Der Programmkalender ist bestens gefüllt!

Mit PULS 24 ist dem Team der erfolgreichste Senderstart in der österreichischen Mediengeschichte gelungen. Derzeit arbeiten rund 50 JournalistInnen an dem 24/7 News-Programm.
Mehr Infos zu Livestream, App und Senderempfang gibt es hier: