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»Unsere größte Leistung? Ein wirklich kreativ geführtes Unternehmen.«

2015 hat Red Arrow die Mehrheit an Karga Seven Pictures übernommen. Die Produktionsfirma mit Sitz in Los Angeles ist ein führender Entwickler und Produzent von Factual Entertainment-Programmen und produziert sowohl non-scripted- als auch scripted-Formate. Das Unternehmen ist ebenfalls mit einem Büro in Istanbul vertreten. 2018 feierte Karga Seven Pictures sein zehnjähriges Bestehen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit den Gründern Kelly McPherson, Emre Sahin und Sarah Wetherbee zu sprechen. Über ihre größten Erfolge, spannende neue Formate – und darüber, welche Rolle eine Flasche Whiskey bei all dem gespielt hat.
Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr Karga Seven gegründet habt?

Emre Sahin: Kennengelernt haben wir uns bei einem ehemaligen Arbeitgeber. Wir waren uns alle relativ ähnlich und eines späten Abends – es war zugegebenermaßen eine Flasche Whiskey im Spiel – haben wir uns unser Herz ausgeschüttet, getrunken und angefangen zu scherzen, dass wir unser eigenes Unternehmen gründen sollten. Von da an ging es sehr schnell zur Frage: Warum eigentlich nicht?!

Sarah Wetherbee: Wir hatten alle Angebote für Shows, die uns aber eigentlich nicht wirklich gefallen haben. Man steckt viel Zeit und Energie in eine Produktion und wenn man so viel vom eigenen Leben in etwas investiert, sollte man auch daran glauben. Also sagten wir uns – wahrscheinlich wieder bei einem Whiskey – lasst uns einfach Formate machen, an die wir wirklich glauben. Klar, wenn sich dann der Erfolg einstellt, besteht die Herausforderung darin, herauszufinden: Kann man den einzigartigen Charakter des Unternehmens beibehalten und trotzdem wachsen? Und vor ein paar Jahren haben wir dann festgestellt: „Wahnsinn! Es funktioniert wirklich! Was machen wir jetzt?! Wie skalieren wir das?“ Dass sich das Unternehmen so entwickelt, hatten wir am Anfang nicht erwartet.

„Uns geht es darum, in Bereiche zu gehen, die gut funktionieren, aber vielleicht ein bisschen angestaubt sind. Diese erfinden wir dann neu.“
Welche Art von Formaten produziert Ihr am liebsten?

Sarah Wetherbee: Begonnen haben wir mit Factual Entertainment. Vor zehn Jahren waren Reality-Doku-Soaps wie „Honey Boo Boo“ total angesagt. Ok, das ist sicherlich nicht der Grund, warum ich zum Fernsehen gegangen bin. Und „echtes“ Factual Entertainment, also Dokumentationen, hatte zu der Zeit einen ziemlich schlechten Ruf. Vielleicht zu Recht, viele waren trocken und langweilig. Aber das ist eben die Art von Fernsehen, die wir schauen und mit der wir aufgewachsen sind, also überlegten wir: „Wie können wir mit der Zeit gehen und solche Formate unterhaltsam gestalten?“

Es gibt Themen, die funktionieren einfach immer – zum Beispiel Dokus über Hitler. Die sind seit Jahren ein Hit auf dem History Channel. Aber wie schafft man es, dass man nicht das Gefühl hat, eine Sendung schon eine Million Mal zuvor gesehen zu haben? Das war unser Anspruch für das Format „Hunting Hitler“. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges – wir haben sie allerdings als eine Art Schatzsuche angelegt. Genau dieses gewisse Extra versuchen wir, all unseren Formaten zu geben. „Booze Traveler“ zum Beispiel ist ein klassischer Reisebericht, aber mit schärferem, kantigerem Text. Uns geht es darum, in Bereiche zu gehen, die gut funktionieren, aber vielleicht ein bisschen angestaubt sind. Diese erfinden wir dann neu. Und jetzt lieben wir es, im hybriden Raum zu spielen – also non-scripted und scripted zusammen zu bringen.

Ihr habt im Sommer mit Megan Fox die Serie „Legends of the Lost“ gedreht – wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Sarah Wetherbee: Megan kam mit ihrer Vision für die Sendung auf uns zu und sagte, sie wolle sie gemeinsam mit uns entwickeln. Ihre Idee: Sich selbst auf eine persönliche Reise rund um den Globus begeben und seit Jahrhunderten existierende Mythen auf den Prüfstand stellen. Aber warum sollte das Publikum Megan und nicht einem Archäologen auf diese Reise begleiten wollen? Dieser Herausforderung war sich auch Megan bewusst. Und es haben vielleicht auch ein paar Leute eingeschaltet, weil sie gedacht haben, dass es eine absolute Katastrophe wird. Aber sie haben hoffentlich schnell bemerkt, dass Megan unfassbar belesen ist und sehr viel über Geschichte weiß.

Einige Sender waren auch an Megan interessiert, haben sich aber Sorgen gemacht, inwieweit das Format zu ihrer Marke passt. Auch für uns war es wichtig, dass es zur Marke Karga passt: Wir sind nicht das „Ancient Aliens“-Unternehmen und wir wollen es auch nicht sein, auch wenn diese Formate ein großes Publikum ansprechen. Zum Glück hat der Travel Channel auch an das Format geglaubt und es in sein Programm aufgenommen – im Dezember 2018 ist es dort angelaufen.

2017 habt Ihr in Istanbul ein neues Produktionsunternehmen gegründet – Karga Seven Turkey. Was sind Eure Pläne für die Türkei?

Emre Sahin: Inoffiziell waren wir schon immer in der Türkei tätig. Wir arbeiten gerne in Istanbul, weil es dort viele Talente gibt. Die meisten Leute wissen nicht, dass die Türkei nach den USA der zweitgrößte Exporteur von scripted-Inhalten ist. Viele türkische Formate verkaufen sich weltweit teilweise sogar noch besser als US-Inhalte. Dank unserer Erfahrungen und Positionierung gibt es hier großes Potenzial: Wir können in der Türkei sowohl als lokales als auch internationales Unternehmen arbeiten. Der Markt ist interessant, denn trotz der hohen Reichweite und der vorhandenen finanziellen Mittel ist es auch ein kleiner Markt, in den man von außen nur schwer reinkommt.

Das türkische Team hat an einer ganzen Reihe neuer Projekte gearbeitet, die wir in Kürze abschließen werden. Am meisten freuen wir uns, dass wir uns die türkischen Rechte für die Anwaltsserie „Suits“ sichern konnten. Das Interessante an türkischen Remakes ist, dass sie – wenn sie funktionieren – oft international mehr Geld machen als das US-Original. Wir hoffen, das mit „Suits“ zu schaffen! Wir haben kürzlich auch die Regisseure Yağmur Taylan and Durul Taylan, besser bekannt als „The Taylan Brothers“, unter Vertrag genommen. Ein ziemlich toller Coup. Die beiden weisen eine große Erfolgsbilanz im internationalen Vertrieb auf. Außerdem haben sie bei den erfolgreichsten Sendungen in der türkischen Geschichte, was den Verkauf nach Übersee betrifft, Regie geführt. Wir denken, dass wir mit unserem türkischen Team in einer wirklichen starken Position sind und wir sind gespannt, welche Formate und Verkäufe wir in den nächsten Monaten verkünden können.

„Kreativität kommt für uns immer an erster Stelle.”
Was sind Eure größten Erfolge im letzten Jahrzehnt?

Sarah Wetherbee: Das hört sich vielleicht kitschig an, aber der größte Erfolg ist, dass es uns noch gibt. Ich weiß, darüber reden die Leute nicht gerne, aber es ist sicherlich eine Leistung, weil das Geschäft so unvorhersehbar sein kann. Wir haben Stürme überstanden und sind gestärkt daraus hervorgegangen. Auch der Aufbau unseres Teams ist eine unserer größten Leistungen. Wir arbeiten mit den besten Talenten zusammen.

Kelly McPherson: Ich stimme Sarah zu. Und wir haben jetzt auch wirklich guten Kaffee und donnerstags gibt’s Desserts! Spaß beiseite: Auch die Tatsache, dass wir immer noch die Sendungen produzieren, die wir wirklich machen wollen und dass wir seit zehn Jahren Spaß daran haben, ist ein großer Erfolg. Ich bin stolz darauf, dass wir unserem ursprünglichen Plan treu geblieben sind und gleichzeitig beweglich genug sind, um uns an die sich ändernden Marktbedingungen anzupassen. Ich glaube nicht, dass viele Leute das sagen können – weil einfach ist das Ganze nicht.

Emre Sahin: Für mich ist unsere größte Leistung, ein wirklich kreativ geführtes Unternehmen zu haben. Nur so können wir die besten Talente am Markt für uns gewinnen. Kreativität kommt für uns immer an erster Stelle.

Und was sind Eure Ziele für die nächsten zehn Jahre?

Sarah Wetherbee: Ich habe das Gefühl, dass wir gerade erst angefangen haben! Die Art und Weise, wie sich der Markt entwickelt, ist großartig. Aus einigen Herausforderungen sind interessante Geschäftsmodelle entstanden. Unser neues, in der Türkei produziertes Format „Ottomans Rising“ ist ein gutes Beispiel dafür: Es ist ein Hybrid aus Scripted und Factual sowie eine Ko-Produktion zwischen einem großen amerikanischen und einem asiatischen Distributor beziehungsweise Produzenten, Karga Seven und einer Streaming-Plattform. Vor einigen Jahren wäre so etwas nicht möglich gewesen.  

Emre Sahin: Mein persönliches Ziel ist, die Karga-Vision und den Karga-Ansatz auf so viele Genres, Märkte und Plattformen wie möglich zu übertragen. Ich bin mir nicht sicher, wie die Leute in zehn Jahren schauen werden, aber Inhalte wird es immer geben – in welcher Form auch immer. Und hier wollen wir immer vorne mitspielen.