Der Mann hinter den Masken

Daniel Rosemann, Senderchef, ProSieben

„Wir müssen jetzt alle ganz stark sein! Herzlich Willkommen zur aller-aller-aller-letzten Ausgabe von TV total.“ Wenn Daniel Rosemann im ProSieben-Teamraum sitzt, hängt ein Stück Fernseh-Geschichte in seinem Rücken: Die letzte Anmoderations-Pappe von 2.303 Ausgaben „TV total“. Klein, rechts unten in der Ecke, hat der Meister mit einem schwarzen Filzstift handschriftlich signiert: „Lieber Daniel! Danke für alles! Dein Stefan.“ Eine Pappe wie ein Ritterschlag vom König des Fernsehens. Eine Pappe mit Symbolkraft: ProSieben-Chef Daniel Rosemann ist der Mann, dem die Stars vertrauen.
Insgesamt kannten nur acht Menschen die Namen der Stars hinter den Masken. Selbst der Regisseur wusste nicht, welchen Star er da gerade in Nahaufnahme zeigte

Kurz nach dem Ende von „TV total“ wurde aus dem ProSieben-Unterhaltungschef Daniel der ProSieben-Chef Daniel Rosemann. Und der Mann, der einst die erste Staffel „The Voice of Germany“ als Redakteur verantwortete, stand vor einer Herkulesaufgabe: Wie ersetzt man den Mann, über den ganz TV-Twitter schrieb: „Das ist der Babo von ProSieben.“

Im Sommer 2019 hat Twitter diese Frage lange vergessen. Twitter ist im Rätselfieber: Wer ist das Monsterchen? Wer bewegt sich so grazil wie ein Grashüpfer? Und welcher Astronaut singt so galaktisch „What A Wonderful World“? Das Finale von „The Masked Singer“ setzt Zeichen. Noch nie gab es in Deutschland mehr Tweets an einem Abend zu einer TV-Show. In dem Moment, in dem Astronaut Max Mutzke seine Maske abnahm, fieberten so viele Menschen mit wie bei einem Elfmeterschießen in der Champions-League. 54 Prozent Marktanteil (14 - 49 Jahre), das TV-Lagerfeuer lodert und vereint die Nation vor dem Bildschirm: Daniel Rosemann sitzt indes dort, wo er sich beruflich am wohlsten fühlt: In der Regie, dem Maschinenraum des Fernsehens.

Mit seinem ProSieben-Team hat er um die Rechte an „The Masked Singer“ mit einer Intensität gekämpft, die weder der Sender noch er jemals zuvor investiert haben: „Wir waren uns sehr sicher, dass ‚The Masked Singer’ ein großer Hit wird“, sagt Daniel Rosemann. „Aber ich muss zugeben: Mit dieser Dimension haben wir nicht gerechnet. Aber das Programm steht für unsere Strategie: Wir bauen den Anteil an Programmen, die wir in Deutschland für Deutschland produzieren, aus.“

54 %
Mit der von Raab handsignierten Anmod-Pappe im Rücken arbeitet sich es wie von alleine. Ein Marktanteil von 54 Prozent im Moment der Enthüllung Max Mutzkes sorgt im Meeting zusätzlich für lächelnde Gesichter.

Was war für ihn die größte Herausforderung an diesem Programm? „Das Schweigen.“ Das Schweigen? „Ja. Normalerweise spreche ich mit vielen Kollegen über Feinheiten und Zusammenhänge eines Programms. Hier ging das nicht so gut.“ Warum? „Insgesamt kannten nur acht Menschen die Namen der Stars hinter den Masken. Selbst der Regisseur wusste nicht, welchen Star er da gerade in Nahaufnahme zeigte. Das war wichtig. Wenn das ganze Team mit rät, kann man die Show am besten aus der Perspektive der Rätselnden erzählen.“

Mit „The Masked Singer“ verdiente sich Rosemann international großen Respekt. ProSieben war weltweit der erste Sender, der „The Masked Singer“ live ausgestrahlt hat. „Große Shows sorgen live für das besondere Prickeln. Bei den Machern. Und noch wichtiger beim Zuschauer. Dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen“, sagt Rosemann. Seine Augen strahlen, wenn er über „The Masked Singer“ spricht. „In den USA haben sie gesagt, wir seien verrückt, weil wir es live machen.“ Seinem Team hat er gesagt: „Wir sind ProSieben. Wir müssen es live machen.“

Angemerkt: Der Tag, an dem das „The Masked Singer“ -Finale lief, bescherte ProSieben den besten Tages-Marktanteil seit 20 Jahren. Dank eines Teams voller Leidenschaft. Und dank Daniel Rosemann, dem Mann hinter den Masken.