»Mit bewegenden Geschichten starker Frauen weisen wir auf wichtige Themen hin.«

Kaspar Pflüger, SAT.1 - Geschäftsführer

DIE DREI FIKTIVEN GESCHICHTEN STEHEN SINNBILDLICH FÜR DIE SCHICKSALE ZAHLREICHER OPFER: SAT.1 SENSIBILISIERT MIT DREI NEUEN THEMENFILMEN FÜR K.-O.-TROPFEN, STALKING UND ZIVILCOURAGE – UND KANN BEI DIESEM VORHABEN AUF DIE POLIZEILICHE KRIMINALPRÄVENTION DER LÄNDER UND DES BUNDES ALS PARTNER ZÄHLEN.

"Ein ganz normaler Tag"

Es ist ein grauer Winternachmittag, draußen dämmert es bereits. Regen tropft gegen die Fenster der Straßenbahn. Die Drogerieverkäuferin Nicole Wegmann ist nach einem langen Arbeitstag auf dem Weg nach Hause. Rentner Hans Armbruster ist schon vor einigen Stationen zugestiegen, blättert in einem Kriminalroman. Die Türen schließen sich bereits, als sich zwei Jugendliche im letzten Moment auf die Sitzreihe vor ihm fallen lassen. Lederjacke, Mütze, einer der beiden trägt eine Bierflasche mit sich. Kevin und Mike albern herum, beginnen dann, Armbruster anzupöbeln. Als die beiden dann Meike und den dunkelhäutigen Isaac im hinteren Teil der Straßenbahn entdecken, lassen sie von Armbruster ab, ziehen weiter. Der atmet erleichtert auf, vertieft sich wieder in sein Buch. Auch als Mike beginnt, Isaac aufs Übelste zu beleidigen, ihn zu stoßen. Weitere Mitfahrer beginnen zu tuscheln. „Komm, lass die doch, das sind doch nur Jugendliche“ zischt ein Mann seiner Begleiterin zu, die dazwischengehen will. Die Provokation droht zu eskalieren, es kommt zu Handgreiflichkeiten. Und über allem schwebt die Frage: Einmischen oder ignorieren? Sich den Angreifern mutig in den Weg stellen und sich dabei selbst in Gefahr bringen? Die Polizei rufen? Oder sich doch lieber keinen Ärger einhandeln, einfach weiter aus dem Fenster starren und hoffen, es möge bald vorbei sein?

Solche Fragen stellen sich täglich Zeugen von Übergriffen dieser Art. Alleine in Deutschland kommt es jeden Tag zu unzähligen Fällen von Gewalt oder Vandalismus, oft ohne jeden erkennbaren Grund. Die Polizei registrierte im Jahr 2018 bundesweit 1.131.088 Fälle von Straßenkriminalität. Im Vergleich zum Jahr 2017 (1.203.124) stellt dies einen Rückgang um sechs Prozent dar – und trotzdem: In Erinnerungen bleiben Fälle wie der des Münchners Dominik Brunner im Jahr 2009 oder von Studentin Tugçe, 2014 in Offenbach zu Tode geprügelt, als sie einem anderen Mädchen zur Hilfe eilt, das von zwei Männern belästigt wird. Angeheizt von Vorfällen wie diesen, diskutiert die Öffentlichkeit immer wieder über einen bedeutungsschweren Begriff: Zivilcourage.

Für Iris Ohain vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz der Polizei München ist der wörtlich übersetzte Bürgermut Dreh- und Angelpunkt ihrer täglichen Arbeit. Für die stellvertretende Dienststellenleiterin steht das strapazierte Wort für weit mehr als das mutige Eintreten für humane Werte in der Öffentlichkeit. Sie beschreibt Zivilcourage als „eine tragende Säule einer funktionierenden Gesellschaft, die friedliches, zivilisiertes Zusammenleben überhaupt erst möglich macht.“ Ohain ist seit vielen Jahren bei der Polizei und arbeitet derzeit in der Münchner Präventionsdienstelle, die bei ihrer Gründung im Jahr 1997 bundesweit eine der ersten Präventionsdienststellen überhaupt gewesen ist.

»ZIVILCOURAGE IST EINE TRAGENDE SÄULE FÜR EINE FUNKTIONIERENDE GESELLSCHAFT, DIE FRIEDLICHES, ZIVILISIERTES ZUSAMMENLEBEN ÜBERHAUPT ERST MÖGLICH MACHT.«

Ohain und ihr Team beraten und unterstützen, wenn jemand Opfer einer Straftat geworden ist. Vor allem aber geben sie im Rahmen von verhaltensorientierter und technischer Prävention umfangreiche Tipps, wie man sich in bedrohlichen Situationen verhalten sollte und diese schon im Vorfeld vermeiden kann, zum Beispiel in Fällen von häuslicher Gewalt, Sexualstraftaten, Trickbetrug oder Einbruch. „Wir versuchen zu verhindern, dass es überhaupt erst zu einer Straftat kommt.“ Aufklärungsarbeit also, die im Bewusstsein der Menschen anfängt. Dazu setzt man vor allem auf Vorträge, Veranstaltungen, ein breites und kostenfreies Kursangebot für Erwachsene sowie spezielle Schulungen für Pädagogen, die Kinder und Jugendliche nachhaltig für wichtige Themen sensibilisieren. Darunter auch die Frage, wie man sich in Situationen verhält, in denen eine Person oder man selbst in der Öffentlichkeit bedroht oder angegriffen wird.

„Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen Selbstbehauptung – also dem Verhalten bei einem Angriff auf die eigene Person – und Zivilcourage als das Einschreiten in eine Auseinandersetzung Dritter, die man als Zeuge beobachtet“, erklärt Ohain. Seit einigen Jahren bietet die Polizei München spezielle Zivilcourage-Kurse für die Bürger der Stadt an. „Diese Kurse werden sehr gut gebucht“, erzählt Ohain. Dem vielgehörten Vorwurf, Zivilcourage verliere in einer immer egoistischeren Gesellschaft an Stellenwert, widerspricht sie daher deutlich. „Straftaten im öffentlichen Raum verängstigen Menschen natürlich“, sagt Ohain. Die meistgenannten Gründe, mit denen Menschen ihr Wegsehen rechtfertigen, sind Unsicherheit und Unwissenheit. „Wir versuchen daher, den Menschen diese fehlende Sicherheit zu geben: Wir trainieren in Rollenspielen das richtige Verhalten in verschiedenen Situationen, geben konkrete Tipps und schärfen auch das Bewusstsein für potenzielle Gefahren.“ Denn: Jeder kann in eine Situation geraten, in der zivilcouragiertes Auftreten gefordert ist – ganz egal ob als Opfer oder Zeuge, ganz egal ob alleine auf dem dunklen Nachhauseweg oder auch im Beisein anderer Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln. So, wie im Fall von Isaac.

Für ihn kommen die halbherzigen Hilfsversuche seiner Mitfahrer zu spät. Denn als die Tram zum Stehen kommt, ist plötzlich überall Blut. Rentner Hans Armbruster starrt fassungslos auf das Szenario vor ihm, kann nicht begreifen, was geschehen ist. Glassplitter. Sirenen. Isaac ist bewusstlos, hereinstürmende Sanitäter reanimieren ihn. Seine Freundin Meike kniet leise weinend daneben. Ihre verzweifelten Rufe nach Hilfe sind verklungen. Erst, als die beiden Täter bereits hemmungslos auf Isaac einprügelten, griff Mitfahrerin Nicole Wegmann zum Handy und wählte den Notruf. Zu spät für Isaac.

Es ist ein schockierendes Ende einer eskalierten Provokation, das der SAT.1-Film „Ein ganz normaler Tag“ schonungslos beschreibt – in diesem Fall Fiktion, in vielen anderen Fällen bitterer Ernst. Es ist ein unbequemes Thema, das den Zuschauer mit der aufwühlenden Frage zurücklässt „Was würde ich tun?“.

Das Zivilcourage-Drama ist nur einer von drei Themenfilmen, mit denen SAT.1 die Zuschauer für gesellschaftlich relevante Themen sensibilisiert. Die drei fiktiven Geschichten aus „Lautlose Tropfen“, „Dein Leben gehört mir“ und „Ein ganz normaler Tag“ stehen sinnbildlich für die Schicksale zahlreicher Opfer in unserer Gesellschaft: K.-o.-Tropfen, Stalking und die unsichere Haltung vieler Bürger, die Zeugen von Gewalt werden. Themen, die die Zuschauer bewegen: Rund 5,3 Mio Mal wurden die SAT.1-Filme bei der Free-TV-Ausstrahlung im Frühjahr 2019 gesehen (Zuschauer ab 3 Jahren). „Mit bewegenden Geschichten starker Frauen weisen wir auf wichtige Themen hin und rücken Missstände ins öffentliche Bewusstsein“, sagt SAT.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger. „Mit den neuen Themenfilmen wollen wir gleich dreifach klare Haltung zeigen und setzen die Tradition unserer erfolgreichen Themenfilme über häusliche Gewalt, Organspende und Cyber-Mobbing fort.“

Unter dem Claim #WirZeigenHaltung fordert SAT.1 in einer übergreifenden Begleitkampagne zusammen mit den Hauptdarstellerinnen der Filme Sonja Gerhardt, Stefanie Stappenbeck und Josefine Preuß Zuschauer und User dazu auf, Haltung zu beziehen. Unterstützung kommt dabei von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Leiter und Kriminaloberrat Harald Schmidt betont: „Das Fernsehen ist für viele Menschen eine Quelle für Information und Unterhaltung. Wenn beides Hand in Hand geht, bleiben im Idealfall Handlungsempfehlungen der Polizei bei den Zuschauerinnen und Zuschauern hängen. Damit können seriös gemachte TV-Inhalte dazu beitragen, Menschen über Kriminalität aufzuklären.“

Wie stark richtige Aufklärung wirkt, zeigt auch Ohain anhand eines jüngeren Vorfalls: Die Polizistin berichtet von einer verhinderten Straftat in der U-Bahn, bei dem Zeugen wie auch das Opfer richtig handelten und die junge Frau so von ihrem Peiniger isoliert und der Täter am Ende festgenommen werden konnte. „Wir müssen noch viel mehr über Fälle sprechen, in denen das Eingreifen von Zeugen einen glücklichen Ausgang der Situation bewirkt hat. Und diese Fälle gibt es sogar viel öfter, als wir denken. Denn dass wir sicher und friedlich zusammenleben können, dazu kann letztendlich jeder Einzelne von uns beitragen.“

Weiterführende Infos zum Thema finden Sie online sowie in Ihrer örtlichen Polizeidienststelle:

https://www.zivile-helden.de/

https://www.aktion-tu-was.de/

https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps

Verhaltensregeln in Notsituationen:

1. Hilf, aber Bring dich nicht in Gefahr.

2. Rufe die Polizei unter 110! 

3. Bitte andere um Mithilfe.

4. Präge dir Tätermerkmale ein!

5. Kümmere dich um Opfer!

6. Sage als Zeuge aus!

"Dein Leben gehört mir"

Er ist aufmerksam, attraktiv, nahezu perfekt: Mit Hannes (Vladimir Burlakov) scheint die Ärztin Malu (Josefine Preuß) ihren Traummann gefunden zu haben. Als Hannes’ Verhalten jedoch immer seltsamer wird, trennt sich Malu von ihm – und ein Alptraum beginnt: Ihr Ex-Freund dringt in jede Sphäre ihres Lebens ein. Ohne Spuren zu hinterlassen, treibt er die sonst so selbstbewusste junge Frau in den Wahnsinn, verstrickt sie in seine Lügengeschichten, macht sie unglaubwürdig, bis selbst Malus Umfeld an ihrem Verstand zweifelt. Indem Hannes die Rollen von Täter und Opfer umkehrt, gewinnt er als Stalker immer mehr Kontrolle und schränkt den Handlungsspielraum der Polizei auf‘s Minimalste ein. „Der SAT.1-Thriller ‚Dein Leben gehört mir‘ spiegelt damit die Realität vieler Stalkingopfer wider“, erklärt StalkingExpertin Sandra Cegla. Die ehemalige Polizistin und Stalking-Sachverständige im Deutschen Bundestag, stand Redaktion und Cast während der Dreharbeiten beratend zur Seite. Eine zusätzliche Einordung bot zudem die SAT.1-Reportage „Verfolgt und bedroht – wie Gestalkte leiden“ im Anschluss an den Spielfilm.

"Lautlose Tropfen"

Sieben ehemalige Schulkameraden feiern ihr 20-jähriges Abi-Jubiläum. Franziska (Stefanie Stappenbeck) freut sich auf die Party mit alten Freunden. Doch der Morgen danach bringt böses Erwachen: Franziska wurde in der Nacht mit K.-o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt. Ohne Spuren. Ohne Beweise. Ohne Erinnerung. Dennoch will sie ihren Peiniger stellen – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Ein Schicksal, das die Protagonistin des SAT.1-Dramas „Lautlose Tropfen“ mit vielen Opfern teilt. Da die Substanzen nur wenige Stunden im menschlichen Körper nachweisbar sind und eine verlässliche Aussage des Opfers häufig nicht möglich ist, sind Polizei und Ärzten bei der Aufklärung der Verbrechen meist die Hände gebunden. Der Film nimmt sich schonungslos ehrlich einem Thema an, das zu oft im Stillen bleibt: der illegale Einsatz von K.-o.-Tropfen, die Vergehen an handlungsunfähig gemachten Menschen, die oft angezweifelte Glaubwürdigkeit der Opfer und die Art und Weise, wie Behörden damit umgehen.