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"Wir wollen Partner des operativen Geschäfts sein"

Alexander von Voß, Chief Legal Officer ProSiebenSat.1 Media SE

Millionenschwere Akquisitionen, Lizenzdeals mit Hollywood-Studios und die Frage, wie man möglichst schnell ein US-Visum für eine ganze Topmodel-Truppe samt Kamerateam bekommt. Um all das kümmert sich die ProSiebenSat.1-Rechtsabteilung. Und dann sagt noch mal jemand, Jura sei trocken. Wir haben im Insights-Interview mit Alexander von Voß, Chief Legal Officer bei ProSiebenSat.1, über Auszeichnungen, Erfolgsrezepte und Teamwork gesprochen.
Ihr wurdet dieses Jahr als Teil der General Counsel Group für den renommierten Award des Legal-Magazins JUVE nominiert. Seit Kurzem ist Deine Abteilung in die „Legal 500-Powerlist“ aufgenommen worden, in die es nur die besten und einflussreichsten Juristen und Rechtsabteilungen schaffen. Was ist Euer Erfolgsrezept?

Wir sind zum einen eine sehr gut funktionierende Einheit und werden als solche auch von außen wahrgenommen. Teamwork wird bei uns großgeschrieben. Zum anderen sehen wir uns nicht nur als diejenigen, die in der Hinterstube sitzen und Akten wälzen. Wir wollen als Partner des operativen Geschäfts tätig sein und sind deswegen frühzeitig in Entscheidungen eingebunden. Diese aktive Rolle ist unsere Philosophie – und das wird am Markt auch durchaus gesehen. Bei Verhandlungen wollen wir natürlich immer das Beste für ProSiebenSat.1 rausholen und treten deshalb hart, aber nie emotional auf. Und wir berücksichtigen immer auch die Interessen des Gegenübers. Daher haben wir den Ruf, dass man mit uns gute Vereinbarungen schließen kann.

Alexander von Voß, Chief Legal Officer ProSiebenSat.1
Welche Voraussetzungen muss eine erfolgreiche Rechtsabteilung Deiner Meinung nach mitbringen?
Unser Grundansatz ist, so viele Themen wie möglich inhouse zu begleiten und möglichst wenig auf externe Dienstleister zurückzugreifen.

Zunächst einmal ist es wichtig, dass eine Rechtsabteilung die Strategie des jeweiligen Unternehmens kennt und versteht. Denn nur wer die Hintergründe von strategischen Entscheidungen begreift, kann im operativen Geschäft gut beraten.

Was mir persönlich wichtig ist: Die Mitarbeiter einer Rechtsabteilung müssen klar ihre Position beziehen. Ich bin kein Fan von einem Jein oder davon, sich vor Entscheidungen zu drücken beziehungsweise diese wegzudelegieren. Natürlich ist das in der Praxis oft eine Herausforderung. Um klare Zuständigkeiten zu schaffen und das selbstverantwortliche, agile Arbeiten der Mitarbeiter zu fördern, haben wir zum Beispiel dieses Jahr eine neue, schlankere Struktur in der Rechtsabteilung etabliert.

Gibt es Abteilungen im Konzern, mit denen Ihr besonders eng zusammenarbeitet?

Grundsätzlich arbeiten wir mit allen Abteilungen im Konzern zusammen, bei denen sich Rechtsfragen ergeben. Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, unser Angebot nicht wie eine Schablone über die gesamte Gruppe zu legen, sondern individuell zu beraten. Was uns außerdem wichtig ist: Wir drängen uns nicht auf, sondern respektieren und fördern die unternehmerische Freiheit der Geschäftsbereiche. Natürlich macht es in manchen Fällen auch Sinn, dass wir nah bei den Abteilungen sind. Was sich zum Beispiel bewährt hat, ist auch mal einen Schreibtisch vor Ort in den jeweiligen Teams zu haben. Wir nennen das „Legal Embedded“: Der Kollege ist dann zum Beispiel drei Tage die Woche hier in der Rechtsabteilung und die restlichen zwei Tage sitzt er in einer anderen Abteilung und nimmt auch an deren Meetings teil. Bei SevenVentures, also unserem Investment-Arm, machen wir das seit Jahren erfolgreich. Die SevenVentures-Kollegen müssen viele Entscheidungen schnell treffen. Und da ist es natürlich von Vorteil, wenn man nicht immer den Umweg über Telefon oder E-Mail gehen muss, sondern sich auch mal über den Schreibtisch hinweg austauschen kann. Auch bei unserer Produktionstochter RedSeven, die ja ebenfalls in Unterföhring sitzt, haben wir einen Arbeitsplatz für Juristen eingerichtet.

Welche Themen haben Euch dieses Jahr besonders beschäftigt?

Ein großes Thema für uns alle war sicherlich unsere neue Partnerschaft mit General Atlantic. Der Kapitalinvestor hat sich Anfang 2018 an der NuCom Group, unserer Commerce-Säule, beteiligt. Hier waren viele verschiedene Bereiche der Rechtsabteilung involviert. Die Menge der Themen und der relativ knappe Zeitrahmen waren durchaus eine Herausforderung, da mussten wir parallel einige Bälle in der Luft halten. Umso schöner, wenn das Projekt dann wie in diesem Fall erfolgreich abgeschlossen wird.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Neuverhandlung unseres Lizenzvertrags mit Warner Bros. Mit dem Deal konnten wir wichtige zusätzliche Rechte verhandeln, die weit über das lineare Angebot hinausgehen. Wir haben diese Verhandlung – wie auch die Lizenzdeals in der Vergangenheit – übrigens komplett selbst begleitet. Unser Team „Legal Affairs Content Licensing“ besitzt eine sehr hohe Expertise, auch was das US-amerikanische Recht angeht. Unser Grundansatz ist ohnehin, so viele Themen wie möglich inhouse zu begleiten und möglichst wenig auf externe Dienstleister zurückzugreifen.

Neben den großen Projekten gibt es natürlich auch noch das Tagesgeschäft. Wir haben beispielsweise ein Team, dass sich darum kümmert, dass unsere Highlight-Formate wie „Germany‘s next Topmodel“ oder „The Voice of Germany“ rechtlich auf sicheren Füßen stehen. Darum kümmert sich das Team „Legal Affairs Content Production“. Auf die Kollegen kommen teilweise ganz praktische juristische Probleme zu. Zum Beispiel ist es ja mittlerweile nicht mehr ganz so einfach, in die USA einzureisen. Wenn man vorhat, dort zu arbeiten, braucht man ein spezielles Visum. Und dieses Visum für die Topmodel-Kandidatinnen und das komplette Produktionsteam zu bekommen, hat uns bei der letzten Staffel ganz schön ins Schwitzen gebracht. Das war alles andere als ein Selbstläufer. Wir sind sogar mit in die Konsulate gegangen, von den unzähligen Telefonaten ganz zu schweigen. Das war wirklich ein großartiges Teamwork und am Ende hat sich die Mühe gelohnt und alle durften einreisen. Für die 2019er Staffel sind wir jetzt jedenfalls in Übung.